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„Tote Mädchen lügen nicht“ (im Original: „13 Reasons Why“) ist eine weitere Buchadaption, die von Popsternchen Selena Gomez produziert wurde und sich derzeit zu einem weltweiten Serienphänomen entwickelt. In der folgenden Review erfahrt ihr einige meiner Gedanken zur Serie und den Charakteren, aber bitte beachtet: Dieser Artikel enthält viele Spoiler.

Ich finde, die Serie hätte mit Hannahs Vergewaltigung beginnen oder wenigstens in den ersten paar Episoden gezeigt werden sollen. So wirken manche ihrer Gründe doch anfangs recht banal. Ich würde sogar soweit gehen zusagen das es manchmal fast so wirkt, als hätte sie sich aus Rache umgebracht und um für Drama zu sorgen. Zwei Leute sagen ja sogar sie wäre eine Dramaqueen, die es liebt, wenn das Drama sich um sie dreht und sie wirkt tatsächlich manchmal wie so eine Person, doch wenn man von der Vergewaltigung erfährt und das Gesamtbild sieht, kann man ihre Beweggründe nachvollziehen. Was ich an Hannah allerdings auch nicht mochte, war das sie praktisch erwartet hat das die Leute ihre Gedanken lesen können, statt einfach über ihre Probleme zu reden. Und wenn sie es dann doch mal getan hat, ist sie immer nur sehr vage geblieben oder hat Leute, wie Clay, von sich weggestoßen. Es stimmt, einige Leute hätten ihr helfen können, aber dafür hätte sie sich auch helfen lassen müssen.

Die Selbstmordszene war einfach nur brutal. Ich schaue die brutalsten Horrorfilme und hab keinerlei Reaktion, wenn jemand abgeschlachtet wird, aber hier hab ich gezittert und geweint. Ich kann auch nicht nachvollziehen wie manche Leute behaupten können die Serie würde Selbstmord glamourös aussehen lassen. An der Szene war nichts Glamouröses. Die Szene war einfach nur verfickt brutal und unangenehm anzuschauen. Und die Reaktion ihrer Mutter – die Verleugnung und der Schock – war einfach nur herzzerreißend. Kate Walsh ist eindeutig der Star der Serie und hat einen Emmy für ihre Darbietung verdient. Das ist auch einer der Gründe, warum ich Selbstmord einfach nur total egoistisch finde. Hannah ist tot, während ihre Elten für den Rest ihres Lebens leiden werden. Sie hat nicht mal daran gedacht ihnen wenigstens einen Brief zu schreiben oder Tony Anweisungen zugeben ihnen die Kassetten zu überreichen, wenn alle sie angehört haben. Ihr war anscheinend einfach völlig egal, dass ihre Eltern nie wissen würden, warum sie sich umgebracht hat und das haben sie nicht verdient. Mir ist natürlich klar, das die Show zeigen soll das Menschen, die Selbstmordgedanken haben, eben manchmal das Gefühl haben sie könnten sich niemanden anvertrauen, aber Hannah hatte keine schlechten Eltern und hätte sie mit ihnen geredet, hätten diese ihr auch zugehört.

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Clay schien ein netter Kerl zu sein, aber seinen Charakter fand ich meistens langweilig. Das ist aber meistens so, das ich die netten Charaktere langweilig finde. Seine „Ich habe Hannah Baker getötet“-Ansprache fand ich auch albern. Sie hat ihn weggestoßen und mehrmals gesagt, dass er sie in Ruhe lassen soll. Und er ist ohnehin schon ein verunsicherter Junge, also kann man ihn keinen Vorwurf machen, dass er gegangen ist. Jeder wäre in der Situation gegangen. Jessica wiederum fand ich ziemlich interessant. Ich finde nicht, dass sie ein schlechter Mensch ist. Sie vertraut nur den falschen Leuten. Ich verstehe nicht, warum sie sich weiterhin mit Bryce abgegeben und sich sogar alleine mit ihm getroffen hat. Sie war an dem Abend betrunken und konnte sich an kaum was erinnern und auch wenn sie Hannah nicht geglaubt hat, müsste doch wenigstens ein kleiner Teil von ihr gedacht haben: „Was ist, wenn Hannah doch die Wahrheit gesagt hat?“ Ihre Vergewaltigung war schrecklich mit anzusehen und wirklich niemand hat so etwas Scheußliches verdient. Ich hätte gerne die Reaktion von ihrem Vater gesehen, als er es ihr erzählt hat. Das wäre sicher noch emotionaler gewesen.

Zu Bryce habe ich nicht viel zu sagen. Er ist ein ekelhaftes Stück Scheiße. Ich kann nicht glauben, dass er so ruhig geblieben ist, als ihm mehrmals Vergewaltigung vorgeworfen wurde und so getan hat, als wäre es keine große Sache. Er muss doch eindeutig eine psychische Krankheit haben. Auch kein Verständnis habe ich für Justin. Ich meine, es tut mir Leid, das er in solchen Verhältnissen aufwächst, das ist aber dennoch keine Entschuldigung für das, was er getan hat. Sein bester Freund hat seine Freundin vergewaltigt und er tut einfach wochenlang so, als wäre nichts passiert und hängt sogar noch bei Bryce ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sowas im realen Leben tatsächlich vorkommt.

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Alex ist eigentlich auch ein netter Junge, der unter dem Druck steht zu den „coolen Jungs“ dazugehören zu wollen und damit können sich wohl einige identifizieren. So läuft es halt in der Schulzeit. Die Liste war ein dummer Fehler, mehr aber auch nicht. Und er hatte es auch nur verdient auf den Tapes zu sein, weil seine Liste zu anderen Geschehnissen geführt hatte. Auch Zach ist kein schlechter Kerl, nur sehr unsicher. Er hat sogar versucht nett zu Hannah zu sein, doch sie hat sich aufgeführt wie eine Bitch und ihn von sich weggestoßen. Ich meine, ich kann verstehen, dass sie an einem Punkt war, an dem sie den ganzen Jungs nicht mehr vertraut hat, aber sie war dennoch viel zu hart zu ihm. Der Preis für den schlechtesten Schulberater geht wohl an Mr. Porter, auch wenn man ihm nicht zum Vorwurf machen kann, dass er Hannahs Gedanken nicht lesen konnte. Er ist ein Arschloch dafür, dass er angedeutet hat, sie wäre selbst Schuld an dem, was passiert ist und das er nicht versucht hat ihr mehr zu helfen, aber Hannah hat sich auch ziemlich vage geäußert. Er wusste weder was genau geschehen ist, noch wer ihr etwas angetan haben soll. Mit ihrem „vielleicht ist dies oder das passiert“ kann man ja nun auch nicht viel anfangen.

Courtney ist eine Bitch. Niemand hätte sich wahrscheinlich dafür interessiert, wenn sie sich geoutet hätte. Aber nein, stattdessen verbreitet sie Gerüchte über Hannah, eine Freundin, die vollkommen akzeptiert das sie lesbisch ist und zur Krönung verteidigt sie auch noch einen Vergewaltiger. Mädchen, was ist nur los mit dir? Und wer ist bitte so blöd und macht rum, bei offenem Fenster, wenn man weiß, dass jemand heimlich Fotos macht? Selbst Schuld, Courtney. Damit kommen wir auch gleich zu Tyler. Er kann einem leidtun, immerhin wird er von allen, ausgenommen Hannah, am meisten gemobbt, doch das ändert nichts daran das er ein unheimlicher Typ und wahrscheinlich auch gefährlich ist. Ich denke, dass sein Ende darauf hindeuten soll, dass er einen Amoklauf in der Schule plant, was das Thema einer möglichen zweiten Staffel werden könnte, was sicherlich auch sehr interessant wäre.

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Von allen Charakteren hat es Sheri vermutlich am wenigsten verdient, auf den Tapes zu sein. Sie ist so ein hübsches und nettes Mädchen, das einen furchtbaren Fehler begangen hat. Aber mal ehrlich, wer hätte in der Situation nicht so reagiert? Immerhin hat sie Reue gezeigt und sich der Polizei gestellt, was Jeff allerdings auch nicht zurückbringt. Er war so ein lieber Kerl und es ist traurig, das er sterben musste. Skye scheint auch ein nettes Mädchen zu sein, das allerdings viele Probleme hat.

Es gibt allerdings auch Charaktere, die mir nicht so gefallen hat. Tony fand ich in Ordnung, nur habe ich sein andauerndes „Wir alle haben Hannah Baker getötet“ nicht verstanden. Er war immer nett zu ihr und war nicht mal auf den Tapes. Ich mochte es, dass die Serie mit einigen Klischees gegenüber Homosexualität aufgeräumt hat. Vermutlich hätte kaum ein Zuschauer vermutet, dass Tony schwul ist, andersrum dachten das bei Alex wohl die meisten. Ryan wiederum ist ein wandelndes Klischee, aber daran ist auch nichts verkehrt. Jeder Mensch ist verschieden, auch unter Homosexuellen. Seinen Charakter mochte ich allerdings nicht und er war auch ziemlich langweilig, bis auf die Szene, in der er Courtney die Meinung gesagt hat. Marcus war einfach nur ein Arsch, der nur an sich selbst gedacht hat, genau wie Montgomery. Mir ist es ein Rätsel, warum er überhaupt in der Serie war. Er ist nicht mal auf den Tapes. Aber immerhin ist er ein süßer Arsch.

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Bis auf Hannahs Eltern war keiner der Erwachsenen wirklich interessant. Clays Mutter war die meiste Zeit eine Nervensäge und sein Vater wirkte immer so gelassen, als würde es ihn null interessieren, was sein Sohn anstellt. Jessicas Vater schien allerdings ziemlich nett zu sein.

Ich habe die Serie innerhalb von wenigen Tagen verschlungen, da man schnell in die Geschichte mit rein gezogen wird und unbedingt wissen möchte, wie es weiter geht. An Spannung mangelt es der Serie also nicht und auch das Cast, allen voran Kate Walsh, spielt hervorragend. Auch wenn es nur eine Serie ist, hoffe ich doch das sie einigen jungen Leuten, die gemobbt werden, hilft oder die Menschen, die selbst andere mobben, realisieren, welchen Schaden ihre Worte und Taten anderen zufügen können, manchmal sogar für den Rest ihres Lebens. Während manche kritisieren das die Vergewaltigungen und der Selbstmord zu explizit gezeigt werden finde ich gerade das positiv. Solche schrecklichen Taten geschehen auch im wahren Leben und die Opfer können es auch nicht einfach ausblenden, also sollte es eine Serie, die Aufmerksamkeit auf diese wichtigen Themen lenken und Menschen damit helfen will, auch nicht tun. Für diesen Mut haben die Macher der Serie meinen vollen Respekt.

Bewertung: 8,5/10

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