2017 war ein gutes Jahr für das Horrorgenre. Zwar gab es die üblichen ausgelutschten Horrorstreifen, die zwar an der Kinokasse boomen, dafür aber von Kritikern zerrissen werden, doch es gab auch große Überraschungen, wie der innovative Genremix „Get Out“, der kontroverse Streifen „mother!“ oder der riesige Box Office-Erfolg „ES“. Manche Fans mögen Horrorfilme wegen dem Nervenkitzel, andere wegen dem Unterhaltungswert – doch eines lieben wir alle: einen guten Plot Twist, der uns mit offenen Mündern vor dem Bildschirm oder der Leinwand sitzen lässt. Doch, welcher Twist schockierte im Jahr 2017 am meisten? Findet es hier heraus. Vorsicht: Diese Liste enthält viele Spoiler!

Platz 10: Jigsaw – „Die Vergangenheit wird zur Gegenwart“

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2017 wurde endlich das „SAW“-Franchise wiederbelebt. Ob das wirklich nötig war, sei mal dahingestellt, doch meiner Meinung nach sorgten die Filme immer für gute Unterhaltung, auch wenn manche Twists nicht immer Sinn machten. Im mittlerweile achten Teil hofften Fans darauf, dass Dr. Gordon, der im siebten Teil als Komplize entlarvt wurde, näher beleuchtet wird, doch stattdessen konzentrierte man sich auf neue Charaktere, was in mancher Hinsicht Sinn macht. Natürlich möchte man auch neue Fans dazugewinnen und das ist einfacher, wenn man den Film auch ohne große Vorkenntnisse sehen kann. Und das Ziel wurde definitiv erreicht, ohne das bekannte SAW-Feeling zu verlieren. Zwar ist der achte Teil im Vergleich zu den Vorgängern etwas blutleer, doch sobald man die altbekannte Titelmelodie hört, wird man sofort in die richtige Stimmung versetzt. Der Twist, dass Logan vor zehn Jahren bereits Johns Schüler war, wirft mehr Fragen auf, vor allem in Hinsicht auf frühere Teile und das ein Großteil der Geschichte in der Vergangenheit spielte, war nun auch keine allzu große Überraschung. Schon während die entstellten Leichen gefunden wurden, fragte ich mich, ob es sich dabei wirklich um die gleichen Personen handelte. Deren Gesichter waren einfach zu auffällig entstellt. Und als dann John Kramer plötzlich auftauchte, war einfach alles klar, denn man hatte ihn eindeutig sterben sehen. Da gab es keinen logischen Weg, wie man das hätte umdrehen können. So gesehen gehört der Twist sicher nicht zu den besten im SAW-Franchise, doch allein wegen der Montage mit der beliebten Titelmelodie funktioniert er dennoch – wenn auch nur aus nostalgischen Gründen.

Platz 9: Flatliners – „Bye-Bye, Courtney“

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„Flatliners“ ist ein Remake des gleichnamigen Kultklassikers, in dem Studenten Nahtoderfahrungen herbeiführen, um herauszufinden, was nach dem Tod auf uns wartet. Doch natürlich läuft dabei – wie sollte es auch anders sein – so einiges schief. Der Film an sich war in Ordnung. Er gehörte bei Weitem nicht zu meinen Lieblingsstreifen im Jahre 2017, doch war auch kein Totalausfall. Meiner Meinung nach konzentrierte man sich zu sehr auf die Experimente und zu wenig auf die Nachwirkungen. Doch dank Courtney schafft es der Film dennoch auf die Liste. Gespielt wird Courtney von Ellen Page, die hier die Hauptrolle spielt – jedenfalls will einem das der Trailer weiß machen und noch dazu ist sie, nach Filmen wie „Inception“ oder „Hard Candy“, wohl eindeutig der größte Star vom Cast. Und so ist es doch überraschend, dass sie in der Mitte des Films durch ihre Wohnung gejagt wird, in die Tiefe fällt und stirbt. Zwar hat uns 1996 schon „Scream“ klar gemacht, dass ein großer Name nicht unbedingt das Überleben garantiert, doch ihr früher Tod kam dennoch als eine kleine Überraschung.

Platz 8: 47 Meters Down – „Kate?“

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„47 Meters Down“ ist ein kleiner, fieser Thriller, der mit den menschlichen Urängsten spielt und sich in den USA zu einem kleinen Überraschungserfolg mauserte. Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Lisa und Kate, die sich in Mexico in einen Käfig sperren lassen, um unter Wasser Fotos von Haien zumachen. Dabei lösen sich jedoch die Ketten und der Käfig fällt 47 Meter in die Tiefe – zusammen mit den beiden Schwestern. Auf engsten Raum zusammengepfercht, umgeben von Haien und mit nur noch wenig Sauerstoff zur Verfügung müssen die beiden Frauen um ihr Überleben kämpfen. Irgendwo in der Mitte des Films wird Kate von einem Hai angegriffen und mitgerissen. Die geschockte Lisa verliert derweil immer weiter ihren Lebensmut, bis ihre tot geglaubte Schwester wieder Kontakt zu ihr aufnimmt und sie es gemeinsam an die Oberfläche schaffen. Oder doch nicht? Wie in den letzten Minuten enthüllt wird, haben es Lisa und Kate nie an die Oberfläche geschafft. Kate wurde bei der Haiattacke getötet und die Küstenwache zog die halluzinierende Lisa aus dem Wasser. Zugegeben, dieser Twist kommt nicht unbedingt als Überraschung, wurde er doch schon in zahlreichen Filmen, unter anderem „Der Fluch der zwei Schwestern“ oder „Gravity“, verwendet. Das macht den Twist jedoch nicht weniger effektiv, war man doch kurz vorher noch erleichtert, dass es beide nach oben geschafft hatten. Und genau wie bei Lisa, die realisiert dass Kate nicht überlebt hat und verzweifelt nach ihrer Schwester schreit, fühlt sich auch der Zuschauer als hätte er einen Schlag in die Magengrube verpasst bekommen.

Platz 7: Life – „Fehlfunktion im Weltall“

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Im Jahr 2017 wurden gleich zwei starbesetzte Filme auf Fans von Weltraumhorror losgelassen, doch sowohl „Alien: Covenant“ als auch „Life“ blieben hinter den Erwartungen zurück. Letzterer kam bei mir jedoch ein klein wenig besser an, denn auch wenn „Life“ sicher nicht als Klassiker in die Filmgeschichte eingehen wird, war er doch ein kurzweiliger, spannungsgeladener Science-Fiction-Thriller mit einem fiesen Ende. Die beiden Überlebenden, Miranda und David, planen das Monster Calvin in einen von zwei Pods zu locken. Während Miranda mit ihrem Pod zurück auf die Erde reisen soll, plant David sich zu opfern und das Pod, mit dem Monster und sich selbst an Bord, ins tiefe Weltall zu schicken. So weit, so gut – doch natürlich muss hier was schief gehen, denn letztendlich landet David auf der Erde und Miranda, deren Pod eine Fehlfunktion erleidet, ist dem sicheren Tod im Weltall geweiht. Auf der Erde wollen Fischer das Pod öffnen, was David zu verhindern versucht und natürlich scheitert. Welch Horror damit auf die Erde losgelassen wurde, kann man nur erahnen, denn leider endet hier der Film, was den Twist nur noch fieser macht. Dieser Twist gefällt mir besonders wegen einigen Onlinetheorien, die besagen dass das Pod das gleiche ist, dass am Ende von „Cloverfield“ zusehen war und das Monster dadurch seinen Ursprung hat. Natürlich ist das sehr wahrscheinlich völliger Quatsch, aber allein eine mögliche Verbindung zu einem meiner Lieblingsfilme im Science-Fiction/Horrorgenre ist genug, um das Ende noch einen Tick mehr zu mögen.

Platz 6: Happy Death Day – „Ein tödlicher Cupcake“

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„Happy Death Day“ war eine der großen Horrorüberraschungen im Jahr 2017. Die „Person erlebt einen Tag immer wieder“-Storyline wurde schon haufenweise in Serien und Filmen verwertet, doch hier hat man es geschafft daraus einen originellen, witzigen Horrorfilm zu schaffen, der an die Slasher der 90er Jahre erinnert. Nachdem Tree unzählige Male getötet wurde, stellt sich ihrem vermeintlichen Killer – und stirbt dennoch. Verwirrt und verzweifelt will sie aus der Stadt fliehen und realisiert, dass ihre Mitbewohnerin ihr immer und immer wieder den gleichen Cupcake schenkt, der von ihr vergiftet wurde, aber den Tree bisher nie gegessen hatte. Das Motiv von Lori, der Mitbewohnerin, ist zugegeben etwas simpel, doch funktioniert und führt zu einer unterhaltsamen Konfrontation zwischen den beiden Frauen.

Platz 5: Rings – „Wiedergeburt“

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„Rings“ war locker der schlechteste Horrorfilm, den ich im Jahr 2017 im Kino gesehen habe, und wird dem Original nicht mal annähernd gerecht. Zwar gibt es interessante Enthüllungen über Samaras Familiengeschichte, doch die unheimliche Atmosphäre aus dem ersten Film fehlt hier einfach und Samara wirkt fast wie eine Randfigur. Doch ich muss sagen, dass mir das Ende gut gefallen hat. Nachdem Julia Samara vermeintlich bezwungen hat, findet ihr Freund heraus was die Blindenschrift, mit der Julia konfrontiert wurde, zu bedeuten hat – nämlich „Wiedergeburt“. Derweil würgt Julia im Bad schwarze Haare hoch und im Spiegel wird enthüllt, dass Samara in Julias Körper wiedergeboren wurde. Gleichzeitig geht das berühmte Video online und wird von tausenden Menschen gesehen und geteilt. Damit kommt das „Ring“-Franchise nicht nur im modernen Zeitalter an, sondern eröffnet auch viele interessante Möglichkeiten für Fortsetzungen. Und wer weiß, vielleicht man es das nächste Mal ja besser.

Platz 4: Das Spiel – „Er ist real“

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„Das Spiel“, basierend auf einem Buch von Stephen King“, wurde 2017 auf Netflix veröffentlicht und begeisterte Kritiker und Zuschauer und das ist nur wenig verwunderlich. Der Film ist spannend, hat eine fesselnde Atmosphäre und mit dem Mondlichtmann eine der unheimlichsten Horrorfilmfiguren 2017. Nachdem Jessies Ehemann an einem Herzinfarkt stirbt, während sie am Bett gefesselt ist, beginnt für die hübsche Frau ein wahrer Albtraum. Gefangen und geplagt von Hunger, Durst und Halluzinationen versucht sie alles, um sich zu befreien. In den Tagen ihrer Gefangenschaft bildet sie sich auch den Mondlichtmann ein – eine unheimliche, deformierte Gestalt. Doch, nachdem sie sich endlich befreit hat und aus dem Haus flüchtet, findet sie Monate später heraus, dass der Mondlichtmann sehr real ist und es sich bei ihm um einen Serienkiller handelt, der jedoch nur an männlichen Opfern interessiert ist, weshalb er ihr nie etwas getan hat. Das kommt vor allem als eine Überraschung, weil das ganze Ende so gar nicht zu dem Rest des Films passt. Doch irgendwie funktioniert es dennoch.

Platz 3: Annabelle 2 – „Zurück zum Anfang“

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Bei „Annabelle 2“ ging ich sehr skeptisch ins Kino, denn der erste Teil war eine komplette Enttäuschung. Dafür war die Überraschung darüber, dass es sich bei der Fortsetzung tatsächlich um einen guten Horrorfilm handelt, umso größer. Der Film spielt zwölf Jahre vor dem ersten Teil und handelt von einer Gruppe von jungen Waisenmädchen, die Obdach auf einer Farm finden. Dort geschehen jedoch sehr viele merkwürdige Dinge und die Mädchen müssen es mit einer Reihe von Geistern und Dämonen aufnehmen. Dabei ergreift der Geist von Annabelle Besitz von Janice und natürlich ist man davon überzeugt, dass der Geist wieder ausgetrieben wird. Pustekuchen. Die besessene Janice wächst bei Pflegeeltern auf, die sie zwölf Jahre später ermordet, kurz bevor sie sich selbst im Haus der Nachbarn das Leben nimmt. Kommt euch bekannt vor? Hierbei handelt es sich um die Anfangssequenz von „Annabelle“, wodurch beide Teile miteinander verknüpft werden. Und auch wenn ich den ersten Teil nicht sonderlich mag, war dies dennoch ein echt cooler Twist.

Platz 2: Better Watch Out – „Tot oder lebendig?“

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„Better Watch Out“ ist ein kleiner Geheimtipp im Horrorgenre, der Kritiker im letzten Jahr begeisterte. Der Film handelt von einem Jungen und dessen Babysitter, die von einem Einbrecher terrorisiert werden. Hört sich nach einem gewöhnlichen Home-Invasion-Thriller an, richtig? Nix da. Der Film nimmt schnell eine unerwartete Wendung und enthüllt, dass alles von Luke und seinem besten Freund Garrett geplant wurde, die darauf hofften, die verängstigte Teenagerin verführen zu können. Von dem Moment an gerät alles außer Kontrolle und Ashley findet sich gefesselt an einem Stuhl wieder. Nach und nach enthüllt sich, was für ein Soziopath Luke wirklich ist, tötet er doch nicht nur Ashleys Freund und Ex-Freund, sondern auch seinen besten Freund, bevor er letztendlich Ashley ein Messer in den Hals sticht und danach alles so herrichtet, damit es so aussieht, als hätte Ashleys Ex das Massaker angerichtet. So weit ein guter Plan, doch womit Luke nicht gerechnet hat: Ashley hat es geschafft mit Hilfe von Klebeband zu verhindern, dass sie ausblutet und während sie in den Krankenwagen geschoben wird, zeigt sie dem entsetzen Luke noch den Mittelfinger. Dieser Twist wirkt nicht nur auf komödiantische Art und Weise, sondern ist auch wirklich überraschend, da man nicht daran glaubt, dass Ashley irgendwie überlebt haben könnte. Gleichzeitig ist es auch eine echte Erleichterung für den Zuschauer, hatte man doch gehofft, dass er nicht damit davon kommt.

Platz 1: Get Out – „Wo sind die Schlüssel?“

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Die Nummer Eins geht an einen der besten Horrorfilme aus dem Jahr 2017. „Get Out“ war nicht nur ein großer Erfolg an den Kinokassen, sondern begeisterte auch Kritiker und Fans und heimste so einige Preise ein. Der Streifen mixt verschiedene Filmgenre zusammen und spielt mit sozialkritischen Themen, was hervorragend funktioniert und nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch köstlich unterhält. Der große Twist kommt im letzten Drittel des Films, als Chris und Rose flüchten wollen, doch Rose die Autoschlüssel nicht findet und in Panik ausbricht, während ihre Familie immer bedrohlicher wird. Von einer Sekunde zur nächsten verschwindet die Panik und Rose enthüllt, dass sie mit ihrer Familie unter einer Decke steckt. Natürlich kommt das nicht komplett überraschend, denn Chris findet bereits vorher Fotos von Rose und ihren früheren Opfern, doch bis zu dem Zeitpunkt glaubt man noch, dass sie möglicherweise unter Hypnose gehandelt hat. Aber nein, Rose ist einfach eine eiskalte Soziopathin. Das zeigt sich schon allein an der Autoschlüsselszene, denn sie sind bereits an einem Punkt, an dem sie ihm eigentlich nichts mehr vorspielen müsste, aber sie tut es trotzdem. Warum? Weil es ihr Spaß macht, ganz einfach. Bei einem späteren Telefonat mit Rod spielt sie die ängstliche, sich Sorgen machende Verlobte, während sie in Wirklichkeit keine Miene verzieht. Nicht nur das dieser Twist einfach genial ist, Allison Williams stellt hier auch unter Beweis, was für eine begnadete Schauspielerin sie ist. Es ist bedauerlich, dass sie am Ende sterben musste oder es jedenfalls den Anschein macht, denn weibliche Antagonisten gibt es in Horrorfilmen viel zu selten und die Rolle der Rose ist jetzt schon ikonisch im Horroruniversum.

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